Edwins Alfasud ti von 1973

Im Herbst des Jahres 2005 erzählte mir ein Bekannter, dass sein Vater in Lecce in Süditalien einen Alfasud wahrscheinlich entsorgen wolle, nachdem er 15 Jahre in seiner Garage gestanden hatte. Die Kombination Alfasud und Süditalien tönte interessant, nie hatte ich jedoch damit gerechnet, dass es sich dabei um eine 1.Serie TI handelte. Dies kristallisierte sich erst mit der Zeit heraus ... zuerst erfuhr ich zweitürig … dann Chromstossstangen … und die Sache wurde immer interessanter; Foto war trotzdem keines zu bekommen. Da die Zeit für den Besitzer drängte, kaufte ich den Sud ohne ihn gesehen zu haben. Ich bekam ihn für ein Trinkgeld, den Transport organisierte ich mit einem Autohändler in Lecce, der ihn mir zusammen mit einigen anderen Autos für 300 Euro nach Stuttgart brachte.

Dort sah ich das Auto zum ersten Mal und wusste sofort, es gibt viel zu tun. Der Motor drehte nicht mehr, Elektrik hinüber, falsches Interieur drin, etc. aber… bis auf ein kleines Loch unter der Batterie absolut KEIN Rost, weder am Chassis noch an der Karrosserie. Also Auto total bis zur Rohkarosse gestrippt, Interieur gesucht, Motor komplett revidiert, fabrikneues Armaturenbrett gefunden, Elektrik neu … Für die Grundrestauration, gaben sich meine Frau Anja und ich 1 Jahr Zeit. Stichtag war das Boxertreffen in Holland 2006 ... und er wurde eine halbe Stunde vor Abfahrt fertig. Mit etwas lauem Magen machten wir uns das erste Mal mit dem Sud auf die 1000 km lange Strecke zusammen mit zwei anderen Suds; zu unserem Erstaunen überstand er sowohl die Hin- wie auch Rückfahrt ohne das kleinste Problem.

Nach einigen weiteren kleine „Reparaturen“ und Nachforschungen über das Fahrzeug fand ich heraus, dass es sich um den 398. je gebauten Sud TI handelt (AS * 5320409 * 9010), nach einem Sudfan in Holland, dem ältesten in Europa bekannten noch überlebenden Sud TI.

Der Sud TI macht einfach nur noch Freude, man kann auch mit einem 68 PS starken super drehfreudigen 1.2 Liter richtig sportlich unterwegs sein. Den rauhen Sound des kleinen Boxers unterstreicht jetzt eine OMP Gruppe N Komplett-Auspuffanlage, der Einzelvergaser atmet durch einen offenen Filter und die Stahlfelgen wurden verbreitert im typischen Seventies-Look. Der TI rollt nun auf 195/50-13 Reifen und wurde mit Eibach-Federn etwas tiefer gelegt.

Abgesehen von regelmässigen Ausflügen in die nahen Vogesen, den Schwarzwald oder die Schweizer Alpen werden jetzt noch Details erneuert und natürlich peinlich darauf geachtet, dass der 1973 TI nach 35 Jahren nicht doch noch zu rosten beginnt....wie gesagt ist er nicht perfekt, hat aber verrückt viel Charme!